ein Muss auf Reisen durch Namibia

Geisterstadt Kolmanskop

Jakob Rastetter
28.05.2018

 Mitten in der Wüste Deutsch-Südwestafrikas, in lebensfeindlicher Umgebung, wo regelmäßig Sandstürme wüten und eine unbarmherzige Hitze herrscht, entsteht Anfang des 20. Jahrhunderts eine deutsche Kleinstadt mit rund 400 Einwohnern.

Die Rede ist von Kolmannskuppe, auf afrikaans Kolmanskop, im heutigen Namibia. Die Stadt verdankt ihre Entstehung einem Zufall. Zwei Bahnarbeiter, deren ermüdender Job darin besteht, den pausenlos heranwehenden Sand von den Gleisen zu schaufeln, machen eine Entdeckung. Zwischen den Schienen in der Nähe des Bahnhofs Grasplatz liegt ein kleiner, glitzernder Stein. Durch diesen Fund wird ein regelrechtes Diamantenfieber ausgelöst, das zunächst zur Gründung eines Diamantensucher-Camps führt. Doch die Siedlung in der Sandwüste wächst immer schneller und so entsteht eine Bergbaustadt, in der jeglicher Luxus, der zu dieser Zeit für Geld erhältlich ist, zur Tagesordnung zählt. Elektrischer Strom, Trinkwasser und Lebensmittel werden von der Stadt Lüderitz geliefert, das Baumaterial aus Deutschland importiert. Neben den Verwaltungsgebäuden, wilhelminischen Villen und Wohnhäusern, Geschäften, Eisfabrik und einer Grundschule, entstehen auch Einrichtungen, die der Unterhaltung der Einwohner dienen. Turnhalle, Schwimmbad, Kegelbahn, Theater, Casino und Ballsaal stehen der Stadtbevölkerung zur Verfügung. Wer etwas zu transportieren hat, kann sich mit samt seinem Gepäck mit einer Schmalspurbahn vom einen Ende der Stadt zum anderen transportieren lassen. Im Krankenhaus von Kolmannskuppe geht das erste Röntgengerät im Süden Afrikas in Betrieb. Vermutlich dient es mehr zum Aufdecken von Diamantendiebstählen durch die Arbeiter, als dass es zur gesundheitlichen Diagnostik benötigt wird. Sogar schöne Gärten werden in Kolmannskuppe angelegt. Mitten in der Wüste, im Sand.

Kolmannskuppe heute - der Sand hat gesiegt

Von der einstmals reichsten Stadt Afrikas (bezogen auf die Einwohnerzahl) holte sich die Wüste zurück, was die Siedler ihr abgerungen hatten. Im Jahr 1930 wurde der Diamantenbergbau eingestellt und die Bewohner kehrten Kolmannskuppe, auf der Suche nach Arbeit in anderen Regionen des Landes, den Rücken. Das Krankenhaus schloss seine Pforten und in den verlassenen Gebäuden häufte sich der Wüstensand. Der Zerfall war nicht mehr aufzuhalten. Die letzte Person verließ die Stadt in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Nun war Kolmannskuppe endgültig zu einer Geisterstadt geworden. Nur gelegentlich erfüllte etwas Leben die Ruinen, wenn sich ein paar Besucher mit einer privaten Freilichtmuseumstour nach Kolmannskuppe verirrten oder Plünderer auf Streifzüge gingen. Im Jahr 1990 wendete sich das Blatt. Die nahe gelegene Stadt Lüderitz erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Idee, einen geordneten Museumsbetrieb in der Geisterstadt einzurichten, nahm Gestalt an. Es wurde begonnen, einige der Gebäude wieder herzurichten, die Räume zu renovieren und originalgetreu mit Möbeln aus der damaligen Zeit auszustatten.

Ein verwittertes Ortsschild auf angerosteten Metallpfeilern und der Aufschrift "Kolmannskuppe" in altdeutschen Druckbuchstaben. Dahinter erhebt sich eine unglaubliche Kulisse von langsam versinkenden Häusern, die aus hohen Sanddünen hervorragen. Ein paar kahle kleine Büsche, die sich im Wind ducken und ein Hauch von Gänsehaut.
Wer spektakuläre Fotos schießen möchte, sollte möglichst früh am Morgen vor Ort sein, wenn die Ruinen der Geisterstadt von der aufgehenden Sonne angestrahlt werden. Da ab Mittag häufig ein unangenehmer, starker Wind weht und kiloweise Namib Sand herantreibt, empfiehlt sich die Besichtigung am Morgen auch aus diesem Grund.

Impressionen einer verlassenen Stadt


Halten Sie eine Windjacke parat, denn es kann gut sein, dass Ihnen ein heftiger Sandsturm unangenehm um die Ohren pfeift. Lange Hosen und festes Schuhwerk sind ebenfalls empfehlenswert, da auf dem Gelände Sandvipern hausen und allerlei spitze Holz- und Metallstücke unter dem Sand verborgen liegen. Es ist möglich, auf eigene Faust durch die hohen Sanddünen zu stapfen, oder sich einer Führung anzuschließen. 

Zeugen einer längst vergangenen Zeit

Allerorten abblätternder Putz, farbige Kacheln und Zierbordüren mit Rissen und Tonnen von Sand, der durch zerbrochene Fenstern quillt und sich zum Teil bis zum Türstock türmt. Das am besten erhaltene Bauwerk ist die große Turnhalle. Pferd und Bock stehen parat, als warten sie jeden Moment auf einen Schwung holenden Turner. Fein säuberlich aufgestellt, die neun Kegel in einer typisch deutschen Kegelbahn. Angesichts der Wurstkessel in der Metzgerei und den Relikten in der Eisfabrik steigen Gedankenbilder von emsiger Geschäftigkeit auf. Zeugen einer längst vergangenen, sprichwörtlich versunkenen Zeit. Im Museum werden die Geschichte und die Geschichten aus der Zeit des Diamantenrauschs anschaulich darstellt. Natürlich gibt es auch ein Café, Toiletten und einen Souvenirshop, in dem ungeschliffene Diamanten angeboten werden.

Ein Eldorado für Naturliebhaber und Kulturtouristen

Das Licht und die Farben Namibias sind einzigartig und faszinierend. Glühend heiße Sandmeere und eine unendlich erscheinende, unberührte Weite, vermitteln eine ganz eigene Stimmung. Viele spektakuläre Naturschönheiten und -denkmäler warten darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. Das dünn besiedelte Land im Südwesten von Afrika ist ein Reiseziel, das vorwiegend wegen der atemberaubenden Nationalparks und der großartigen Tierwelt besucht wird. Auf Safari Reisen können Elefanten, Löwen, Zebras und Giraffen bewundert und fotografiert werden. Auch kulturell hat das Land mit seiner wechselvollen Geschichte viel zu bieten. Traditionelle Volksstämme und die Kolonialzeit haben dem Land seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Gerade aus der Kolonialzeit stammen viele interessante Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch wert sind. Die Geisterstadt Kolmanskop gehört unbedingt dazu.

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