Russlands Baikalsee - Höhepunkt jeder Reise auf der Transsibirischen Eisenbahn

Der Baikalsee

Doreen Brade
31.05.2018

Der Baikalsee gehört zweifelsohne zu den magischen Orten unseres Planeten. An Faszination ist der tiefste und älteste See der Erde kaum zu überbieten. Im Herzen Sibiriens gilt er als Wiege der russischen Seele. Um sein Geheimnis ranken sich Mythen und Legenden.

Weltnaturerbe mit vielen Gesichtern

Das größte Süßwasserreservoir der Welt liegt im Südosten des Landes. Mit rund 32.000 km² besitzt der See eine größere Fläche als Belgien. Seine sichelähnliche Form erstreckt sich bis zur mongolischen Grenze über eine atemberaubende Dimension von 673 Kilometern Länge. Eines der weltweit artenreichsten Gewässer erzielt eine Tiefe von 1.642 Metern. Dank seines unermesslichen Reichtums trägt er den klangvollen Namen "Reicher See". 1.500 Tierarten sind nur in dieser Region von Russland beheimatet. Für den hohen Reinheitsgrad des Wassers sorgen Flohkrebse. Das Meisterstück der Natur speisen mehr als 300 Flüsse und Bäche mit gewaltigen Wassermengen, die zur weltweiten Wasserversorgung 50 Jahre reichen. Einziger Abfluss des "Sibirischen Meeres" ist der Angara. Obwohl der Fluss zu den größten Fließgewässern des Landes zählt, würde er 400 Jahre brauchen, um den See zu leeren.

Wenn Sie die Perle Sibiriens hautnah erleben möchten, dann bietet Ihnen die Transsibirische Eisenbahn eine spannende Entdeckungsreise. Wer einmal auf der längsten Bahnstrecke der Welt gefahren ist, wird dieses Erlebnis nie vergessen. Die Begegnung mit dem reizvollen See stellt einen unvergleichlichen Höhepunkt dar.

Unterwegs zu einem einmaligen Naturschauspiel

Für Eisenbahnfans ist die Route der Transsib von Moskau nach Wladiwostok ein spektakuläres Ereignis. Auf der knapp 9.300 Kilometer langen Strecke hält der Zug an 400 Bahnhöfen, passiert 89 Städte und überquert 16 Flüsse. Der eigentliche Reiz dieser Bahnreise liegt im Wechsel von beeindruckenden Landschaften und pulsierenden Metropolen. Die Geschichte der legendären Linie beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr Bau diente den Handelsbeziehungen zu Europa und China, sowie der Erschließung Sibiriens. Die einzelnen Bauabschnitte erwiesen sich als wahrer Kraftakt. Vor allem das Klima mit Temperaturen bis zu teils minus 60 Grad Celcius war eine Herausforderung. Inzwischen wurde die Strecke der Transsib vielerorts ausgebaut und erweitert, so dass Urlauber heute aus verschiedenen Routen wählen. Individualisten buchen ihre Fahrkarte in einem regulären Linienzug, der in den Sommermonaten überfüllt sein kann. Komfortabel ist hingegen die Fahrt im Sonderzug. Sie schließt bei komplett durchgeplantem Reiseprogramm alle Ausflüge der Gruppenreise ein. An Bord werden Sie mit landestypischen Spezialitäten verwöhnt.

Im berühmten "Zarengold" reisen Sie geruhsam ab Moskau oder Peking. Auf der Fahrt durch die Weite des Landes lernen Sie Städte wie Jekaterinenburg, Omsk, Krasnojarsk oder Novosibirsk kennen. Als "Paris des Ostens" präsentiert sich Irkutsk. Die höchste Steigung der Bahnreise erleben Sie am "baygal nuur". Bis zur Fertigstellung im Jahr 1904 wurden auf dem ostsibirischen Teilstück über 30 Tunnel und 200 Brücken neu errichtet. Sie gilt als aufwendigster und teuerster Streckenabschnitt in der Transsib-Baugeschichte.

Alltag am Blauen Auge der Erde

Die Republik Burjatien mit knapp 1 Millionen Einwohnern befindet sich am Ostufer des Baikals. Ihre kulturellen Wurzeln liegen in der Mongolei. Seit Menschengedenken lebt das Volk im Einklang mit dem See, der selbst bei sommerlicher Hitze nur mit einer Wassertemperatur von erfrischenden 10 Grad Celsius aufwartet. Ganz nebenbei sollen die kristallklaren Fluten den Körper um 7 Jahre verjüngen. Dem Bad im See zieht die Urbevölkerung einen Saunagang vor. Sobald die Wasseroberfläche im Winter meterdick zugefroren ist, erfreut sich das Eisangeln bei den Bewohnern großer Beliebtheit. Mit Geschick entlocken die Burjaten dem eisigen Wasser einen lachsähnlichen Fisch, der weltweit einzigartig ist. Der Omul wird gekocht, gebraten oder roh verzehrt. Noch schmackhafter ist die geräucherte Variante, die es in Markthallen und an Ständen örtlicher Fischer zu kaufen gibt.

Wo der Bakalsee am schönsten ist

Sobald der Zug zu einem Barbecue am Seeufer hält, erwartet die Gäste ein Büfett mit Grillspezialitäten. Während die Abendsonne die Landschaft in ein zauberhaftes Licht taucht, erklingen zum Picknick in freier Natur die Klänge einer Ziehharmonika. Ganz in der Nähe lassen sich idyllische Strände, abgelegene Buchten und markante Felsen entdecken. Rund um die zerklüftete Steilküste am Baikalsee können Sie zu Fuß geheimnisvolle Orte wie den Schamanenberg, die Insel Olchon oder das Tal der Steingeister erkunden. In der Seemitte befinden sich die Uschkani-Inseln. Das Archipel ist ein bevorzugter Lebensraum für Baikalrobben. Listwjanka gehört zu den Orten, die Sie unbedingt gesehen haben sollten. Das charmante Dorf liegt rund 70 Kilometer von Irkutsk entfernt. Viele Tagesgäste besuchen das leicht zu erreichende Ausflugsziel am Angara-Abfluss. Ihre Wanderschuhe sollten Sie auf jeden Fall dabei haben, denn auf beschilderten Wegen werden Sie zu wundervollen Aussichtspunkten geführt. Zu empfehlen sind der Tscherski-Stein und die Nikolaikirche. Im Seekundlichen Institut befindet sich das Baikalmuseum, wo Sie alles Wissenswerte zur Weltnaturerbestätte erfahren. Zu einer Tour auf dem Wasser starten Sie am Hafen. Sollten Sie nicht an einer Bahnfahrt um den See teilnehmen, dann bringt Sie ein Tragflächenboot nach Port Baikal. Mit einem Hauch von Melancholie übt das verschlafene Fischerdorf eine besondere Anziehungskraft aus. Einst wurde im Ort der letzte Streckenabschnitt der Transsib vollendet. Seitdem gilt das Teilstück als "Gürtelschnalle" der Bahnverbindung. Noch heute ist sie Anfangs- und Endpunkt der ursprünglichen Baikalbahn. Die 89 Kilometer lange Strecke am Baikalsee genießen Fahrgäste im Panoramawagen. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern bietet die eingleisige Route von Sljudjanka nach Port Baikal zahlreiche Fotostopps. Mit der Fahrt um den geheimnisvollen See geht für so manchen Reisendem ein Lebenstraum in Erfüllung. Wen das Naturjuwel am schönsten Ende der Welt in seinen Bann zieht, wird hierher zurückkehren!